Ursachenanalyse direkt am Arbeitsplatz, nachdem das zentrale Monitoring über Monate keine Auffälligkeiten gemeldet hatte.
Symptom
Ein Kunde aus dem Bankenumfeld meldete erhebliche Performanceprobleme in seiner Citrix-Infrastruktur. Über 200 Arbeitsplätze waren betroffen.
Am deutlichsten zeigte sich der Effekt beim Scrollen in umfangreichen Dokumenten. In PDF-Dateien wie in Excel-Tabellen liefen einmal begonnene Scrollbewegungen weiter, obwohl die Eingabe längst beendet war, und ließen sich kaum kontrolliert stoppen.
Die zentralen Performanceanzeigen der IT-Abteilung meldeten dabei durchgehend unauffällige Werte. Überwacht wurden die Ressourcenauslastung der Citrix-Server und der Netzwerkkomponenten, nicht das, was tatsächlich am Arbeitsplatz ankam. Damit fehlte jeder Ansatzpunkt, und das Problem bestand über Monate.
Analyse
ceterion hat die Untersuchung nicht im Rechenzentrum begonnen, sondern direkt an den Arbeitsplätzen der betroffenen Anwender. Dort war das Verhalten reproduzierbar.
Entscheidend war die Wirkkette: nicht die Anwendung reagierte langsam, sondern die ICA-Pakete erreichten die Sitzung verzögert und wurden anschließend gebündelt verarbeitet. Das deutete auf eine Verzögerung im Transportweg, nicht auf ein Ressourcenproblem. Scrollen macht diesen Effekt zuerst sichtbar, weil es eine hohe Bildaktualisierungsrate erzeugt und damit empfindlicher auf verzögerte Übertragung reagiert als andere Interaktionen. Dass PDF und Excel gleichermaßen betroffen waren, bestätigte, dass die Ursache nicht bei einer Anwendung lag.
Die Spur führte auf zwei Traffic-Shaping-Appliances zur Optimierung des Datenverkehrs zwischen den Standorten. Sie stammten aus einer Zeit deutlich geringerer Bandbreiten. Nach dem Ausbau der Leitungen war die Optimierung nicht nur überflüssig, sondern kontraproduktiv: das Regelwerk verzögerte den Citrix-Verkehr gegen eine Bandbreitengrenze, die es faktisch nicht mehr gab.
Die Analyse dauerte drei Tage.
Umsetzung
Zum Nachweis wurde das Shaping in einem kontrollierten Change zunächst temporär deaktiviert. Der Effekt verschwand unmittelbar, damit war die Ursache belegt.
Die dauerhafte Lösung ist bewusst nicht das Abschalten der Systeme. Das Regelwerk wurde angepasst und der ICA-Verkehr vom Shaping ausgenommen. Priorisierung und Optimierung für alle übrigen Verkehrsarten bleiben damit erhalten. Beide Schritte liefen als regulärer Change mit definiertem Rollback.
Ergebnis
- über 200 entlastete Arbeitsplätze
- 3 Tage von der Beauftragung bis zur eindeutigen Ursache
- Monate vorheriger Fehlersuche ohne Ergebnis beendet
Citrix-Anwendungen ließen sich unmittelbar nach der Umstellung wieder zuverlässig bedienen.
Der Fall zeigt ein Muster, das uns regelmäßig begegnet: Gute Werte im zentralen Monitoring bedeuten nicht, dass Anwender arbeiten können. Gemessen wird, was Server und Netzwerkkomponenten melden, nicht, was am Bildschirm ankommt.
